Der Demokratische Frauenbund Deutschland (DFD)
in Wildenhain
Aus dem Nachlass von Rosemarie Knöfel erhielt ich von Ihrer Tochter Annemarie zahlreiche Unterlagen zum Demokratischen Frauenbund in Wildenhain. Leider war die Chronik der DFD-Gruppe in Wildenhain nicht mehr auffindbar.
Der DFD in Wildenhain war eng mit den Namen Hildegard Wengler und Rosemarie Knöfel verbunden. Trotz, dass es ein zu DDR-Zeiten gegründeter Frauenbund in Wildenhain war, gehört er mit zur Geschichte unseres Ortes.
Der Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD) wurde während des Deutschen Frauenkongresses für den Frieden vom 7. bis 9. März 1947 von Frauen aus allen vier Besatzungszonen als gesamtdeutsche Frauenorganisation gegründet. Die erste gewählte DFD-Vorsitzende wurde die parteilose Ärztin Anne-Marie Durand-Wever.
In der Bundesrepublik wurde der DFD am 10. April 1957wieder verboten.
Der DFD beteiligte sich auch an den ersten freien Volkskammerwahlen am 18. März 1990. Mit nur einen Stimmenanteil von 0,33 % errang er ein Mandat, das von Karin Bencze wahrgenommen wurde. 1990 zerfiel der DFD dann als Massenorganisation, ebenso auch in unserem Ort.
Der DFD in Wildenhain kümmerte sich um fast alle Sachen.
Waren es in den Anfangsjahren z.B. das Durchsetzen des Verbotes des schädlichen Westfernsehens schauen und RIAS hören, unterstützte man auch den Dorfklub bei Veranstaltungen, half der Landwirtschaft bei der Ernte und gab dem Handel und Gesundheitswesen Unterstützung. Es wurden Altstoffsammlungen durchgeführt, man half bei den Ablieferungen von Eiern, Milch und tierischen Produkten und errichtete einen Waschstützpunkt im Ort.
Viele NAW (Nationales Aufbauwerk) -Stunden wurden in der Kinderkrippe, Kindergarten, Klubraum, Hort, Verkaufsstelle und Spielplätzen bei Pflege und Renovierungsarbeiten geleistet. Auch in der Nachbarschaft half man und kinderreiche Familien und Rentner bot man Hilfe an. Vorträge und die Frauenakademie gehörten ebenfalls zu den Tätigkeiten der Mitglieder des DFD. Weiterhin wurden Bastel-, Nähkurse, Literaturabende und Kochabende durchgeführt. Auch im Rüben hacken war man aktiv.
Bis zum Schluss organisierten der DFD im Ort den Kindertag, anfangs gemeinsam mit der Schule und dann mit der Kindereinrichtung. Frauen waren regelmäßig im Rat der Gemeinde und der Nationalen Front vertreten. Die Teilnahme an Kreis-, Bezirks- und Bundesdelegiertenkonferenzen nahm man ebenso war. Solidaritätsspenden wurden gesammelt sowie Brennholz für die Kindereinrichtungen.
Regelmäßig nahm man am Wettbewerb „Schöner unsere Städte und Gemeinden“ und „Mach-mit-Wettbewerb“ teil. Hierzu gehörte die Pflege der großen Blumenrabatten und der eigenen Vorgärten. Frau Edith Witzig pflegte diese großen Rabatten bis zu ihrem Tode. Wandzeitungen im Ort wurden ebenso gestaltet. Aus den Gärten wurden Obst, Gemüse, aber auch tierische Produkte aus der individuellen Tierhaltung dem Handel zugeführt. Zahlreiche Verpflichtungen wurden zu Ehren der Parteitage, Republikgeburtstage, Oktoberrevolutionsjubiläen und des eigenen Verbandes abgegeben.
Hauptaugenmerk legte man aber auch auf die Mitgliederwerbung, welche später dann auch mit viel Druck durchgeführt wurde, um die gesteckten Ziele zu erfüllen. Nach den Mitgliederzahlen müssen fast dreiviertel der Dorffrauen im DFD vertreten gewesen sein.
1975 begann durch den DFD die Aktivierung der Volkssolidarität im Ort. Auch der Verkauf der Mainelken gehörte zu den Aufgaben des DFD. Später kamen noch die Plasteblumen zum Anstecken für den Frauentag dazu. Diese waren natürlich auch ein beliebtes Sammelobjekt für kleine Vasen auf den Vitrinen in der guten Stube.
Der DFD war gemeinsam mit den Leiterinnen der Kindereinrichtungen zuständig für die Einweisung der Kinder in die Kindereinrichtungen (Einweisungskommission).
Ebenso leitete der DFD die Kommission Gesundheits- und Sozialwesen.
Weitere Aufgaben waren die Verschönerungs- und Reinigungsarbeiten in den Kindereinrichtungen, Einsätze in der Verkaufseinrichtung, Bergung und Verwertung von Straßenobst.
Einige wichtige Daten:
1952 wahrscheinliche Gründung der Ortsgruppe des DFD in Wildenhain
16.10.1952: Gratulation des DFD zur Gründungsfeier der
Produktionsgenossenschaft Wildenhain
Oktober 1959 Auszeichnung: „Dank und Anerkennung
für gute Leistungen im Wettbewerb der Bezirksorganisation
des DFD anlässlich des 10. Jahrestages der Gründung der
Deutschen Demokratischen Republik“
1961 Vorsitzende: Hildegard Wengler
Stellvertreter: Margarete Brenne
Schriftführer Herta Beuche
Kassenwart: Rosemarie Knöfel
27.11.1961 Urkunde: Im Altstoffsammelwettbewerb der DFD-Gruppen des
Kreises Eilenburg erreichte die DPD-Gruppe Wildenhain den 1. Platz
und wird mit einer Prämie in Höhe von 50,00 DM ausgezeichnet.
Die Feier fand im Dezember hierzu statt
1962 I. Frauentagsfeier
Glückwünsche für 10 und 11 Jahre Mitgliedschaft (13 Frauen)
52 Frauen in der Ortsgruppe
Erna Brenne und Martha Weihmann als DRK-Helfer
Poststelle: Frau Wöhle, Hilde (geb. 20.12.1906)
Vorsitzende: Hildegard Wengler (Mitbegründerin)
Stellvertreter: Margarete Brenne
Kassierer: Rosemarie Knöfel
03.08.1965 Busfahrt zum Leipziger Zoo
45 Mitglieder
23.01.1966 20.00 Uhr Film „Probleme der Ganztagserziehung“
in der Konsum-Gaststätte
02.08.1966 Busfahrt in die Dahlener Heide
1967 Hildegard Wengler war Hauptkassierer vom 07.01.1963 bis 1975
04.05.1967 Protestschreiben nach Griechenland
zur Freilassung von Manolis Glezos
08.03.1967 Teilnahme im ECW-Klubhaus: „20 Jahre DFD“
1968 65 Mitglieder
Hauptkassierer: Herta Beuche
07.10.1969 Urkunde: Der Rat der Gemeinde Wildenhain und der Ortsausschuss
der Nationalen Front des demokratischen Deutschland sprechen der
Ortsgruppe des DFD Wildenhain für vollbrachte hervorragende
Leistungen beim sozialistischen Wettbewerb „Schöner unsere Städte
und Gemeinden - mach mit!“ zu Ehren des 20. Jahrestages
der Gründung der Deutschen Demokratischen Republik Dank und
Anerkennung aus
10.06.1974 Urkunde: Für gute Leistungen in der I. Etappe des Wettbewerbs
zum X. Bundeskongress wird die Gruppe des DFD Wildenhain,
Kreis Eilenburg anlässlich der Kommunalwahlen am 19. Mai 1974
ausgezeichnet.
08.02.1975 Theaterfahrt nach Leipzig
1975 Hauptkassierer: Monika Zänker
März 1975 die Ortsgruppe erhielt durch den Kreis
die Ehrennadel in „Gold“ verliehen
Oktober 1975 Urkunde: Aus Anlass des 26. Jahrestages der DDR, in Anerkennung
guter Leistungen bei der Verwirklichung der Beschlüsse
des X. Bundeskongresses des DFD wird die Gruppe Wildenhain
ausgezeichnet
06.12.1975 Jahresabschlussfeier im Jagdhaus
Mai 1976 Urkunde: Für die Gruppe des DFD Wildenhain in Anerkennung
hervorragender Leistungen im Wettbewerb
zu Ehren des IX. Parteitages der SED
08.11.1976 Urkunde: In Würdigung ihrer Verdienste
bei der politisch ideologischen Arbeit mit den Frauen im Wohngebiet
wird der DFD-Gruppe Wildenhain aus Anlass des Tages der
Republik der verpflichtende Name der antifaschistischen
Widerstandskämpferin KÄTE DUNCKER verliehen.
1976 111 Mitglieder
Unterstützung beim Bau der Kanalisation
Bildung einer Kegelgruppe und wöchentliches Training
23.05.1976 Besuch der Grabstäte und des Heimatortes
von Käte Duncker in Friedrichroda
1977 Hauptkassierer: Herta Beuche
1977 Urkunde: Für die Teilnahme an der Ausstellung Freizeit-Kunst und
Lebensfreude „MEINEM BESTEN FREUND" anlässlich
des 60. Jahrestages der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution
durch Präsident des Nationalrates der Nationalen Front der DDR
05.06.1978 Patenschaftsvertrag mit Kindergarten im Ort
01.02.1979 Vorsitzende: Rosemarie Knöfel
Stellvertreter: Margret Rohark
Hauptkassierer: Herta Beuche
06.10.1979 Urkunde: Für besondere Erfolge im Wettbewerb des DFD zu Ehren
des 30. Jahrestages der DDR wird die Gruppe „Käte Duncker“
Wildenhain, Kreis Eilenburg mit dem, Clara-Zetkin-Ehrenbanner
ausgezeichnet und in das Ehrenbuch des Bundesvorstandes
eingetragen.
06.10.1979 In Würdigung der hervorragenden Leistungen der DPD-Gruppe
"Käte Duncker " bei der Erfüllung des Wettbewerbsprogrames zu
Ehren des 30. Jahrestages der DDR und für die Erlangung der
Auszeichnung mit dem „Clara Zetkin - Ehrenbanner des
Bundesvorstandes des DFD sprechen der Rat der Gemeinde und
der Ortsausschuss der Nationalen Front, die herzlichsten
Glückwünsche aus und verbindet damit den Dank und
die Anerkennung für die vorbildliche" Einsatzbereitschaft
07.10.1979 Urkunde: Dank und Anerkennung der Gruppe „Käte Duncker“
Wildenhain für gute Ergebnisse in der 2. Etappe des Wettbewerbes
„Die Initiative und Tatkraft des DFD für den 30. Jahrestag der DDR“
1982 113 Mitglieder
1983 Vorsitzende: Rosemarie Knöfel
Stellvertreter: Margret Rohark
06.02.1984 Urkunde für hervorragende Leistungen im sozialistischen
Wettbewerb „Schöner unsere Städte und Gemeinden mach mit!"
der Ortsgruppe des DFD Käte Duncker Wildenhain Dank und
Anerkennung ausgesprochen
1984 Bürgermeister: Herr Benseler
1986 Vorsitzende: Rosemarie Knöfel
Stellvertreter: Margret Rohark
16.10,1986 Kegelabend
12.11.1986 Handarbeitszirkel
22.11.1986 Teilnahme an der Kreisdelegiertenkonferenz
10.01.1987 Teilnahme an Bezirksdelegiertenkonferenz durch Rosemarie Knöfel
1987 Herta Beuche als Hauptkassierer ausgeschieden
05./06.03.1987 Rosemarie Knöfel nimmt am Bundeskongress teil
06.11.1989 letzte Wahl vor dem Fall der Mauer
Vorsitzende: Rosemarie Knöfel
Stellvertreter: Margret Rohark
Damit endet die Arbeit des DFD in unserem Ort. Der verabschiedete Arbeitsplan war durch den Fall der Mauer nicht mehr relevant.
Robert Schübel
September 2025
Quelle: Nachlass Rosemarie Knöfel
(dauerhaft zur Verfügung gestellt durch die Tochter
Annemarie Richter, geb. Knöfel)