Schröer, Jacob Samuel, 

Magister der Philosophie; 

1691-1761

Bernigroth, Johann Martin (Kupferstich) 

Jacob Samuel Schröer wurde am 16. März 1685 in Klöden geboren. 

 

Sein Vater Samuel Schröer (geboren in Hirschberg im Riesengebirge und gestorben in Klöden) war als Magister der Philosophie, Probst und Superintendent in Klöden. Vom 20.09.1680 bis 1687 war er Diac. u. Rekt. in Gommern. Von 1687 bis 1690 Pfarrer in Globig und von 1690 bis 1726 Oberpfarrer und Probst in Klöden.

 

Hierzu existiert eine Hochzeit-Ode. „Dem Hoch Ehrwürdigen / Groß Achtbaren und Hochgelehrten Herrn M. Sam. Schröern, Hochverdienten Probst und Superintendenten zu Klöden und der Hoch Tugend Edlen Jungfer Maria Catharina geborenen Bergerin/ D. Joachim Mergers/P.P des Hofgerichts/ Schöppenstuls und Juristen Fakultät all hier/ wie auch des Landgerichts in der Nieder Lausitz, Assessoris hinterlassenen ältesten Tochter/ meiner vielgeliebten Jungfer Ruhme zu schuldigen Ehren Glückwünschend und Herzlich Wohlmeinend aufgesetzet den 31. Mai 1698 von D. Johann Friedrich Scharssen/ Com. Pal. Cäs & Consil sax/ Wiillerberg gedruckt durch Johann Hasen.

 

Zur ersten Ehe des Vaters ist im Pfarrbuch der Kirchenprovinz Sachsen vermerkt: Maria Catharina N.N., Patin Gorsdorf 29.12.1704. Die zweite Ehe schloss er am 17.08.1716 mit Anna Margaretha Gewinn, Wwe. d. N. N. Stintzner, Stadtrichter Eilenburg, Patin Kemberg 11.07.1721.

 

Der Vater hatte drei Kinder. Einen Sohn, Jakob Samuel, Tochter Magdalene Dorothea (verheiratet am 28.05.1695 in Klöden mit Gottfried Borisch, Goldarbeiter Dresden), Tochter Christina (verheiratet in Klöden am 04.10.1698 mit Christian Strauch, Pfarrer in Großbothen, geb. 1665 und gestorben 1741).

 

Im Pfarrbuch der Kirchenprovinz Sachsen (Band 8 – Biogramme Schr – To), Evangelische Verlagsanstalt Leipzig, 2008 ist auf Seite 47 Folgendes zu den Schröers vermerkt:

„Jacob Samuel wurde geboren um 1691 in Klöden, gestorben am 06.06.1761 in Wildenhain, beerdigt vor dem Altar. Sein Vater war Samuel Schröer, Oberpfarrer und Probst in Klöden. Seine Mutter war Maria Catharina N.N. Er besuchte die Universität in Wittenberg und wurde am 22.05.1704 immatrikuliert und an der Universität in Magdeburg am 29.04.1706.

Von 1709 bis 1720 war er Pfarrer in Meuro und von 1720 bis 1761 Pfarrer in Wildenhain.“

 

„Die erste Ehe schloss er in Klöden am 14.01.1710 mit Johanna Christina Hartung, Patin Kemberg 04.11.1711, Vater der Braut war Johann Hartung, 3. Diac. Stadtkirche Wittenberg.

Die zweite Ehe schloss er mit Christiane Sophie Baumgarten (lt. Pfarrbuch)?“

 

Jedoch wurden zahlreiche Gratulationen gedruckt. In diesen wurde die Hochzeit am 07. Juli 1722 in Torgau geschlossen. M. Jacob Samuel Schröer heiratete Sophia Charitas Schultzin, Tochter des M. Daniel Schultzens (Hochverdienter Archi-Diacconi und R. M. Senioris). 

 

Laut der Gratulationsschrift von M. Christian Schmidt aus Stollberg war es die „Fünfte und letzte Jungfer Tochter“. Es war auch die Jüngste lt. der Schrift von Mich. Mos. Manitio, SS. Theol. Cult.

 

M. Christian Strauchen (Pfarrer in Zschoppach) erwähnte in seiner Schrift („Obs rathsam: einen Witwer und zwar geistlichen Standes, darzu noch Priester auf dem Lande zu heiraten? ….“), dass er zum damaligen Zeitpunkt Witwer war und sein „erster Schatz gestorben“ sei. Weiterhin lobte er die erste Frau Schröers und machte das Leben auf dem Lande schlecht, weil die Braut hier die städtischen Genüsse nicht mehr hatte. Zu guter Letzt wünschte er dem Brautpaar jedoch alles Gute.

 

Gratulationen kamen von Joh. Melchior Stockmar, S. S. Th. Stud. (des jungen Schultzens Informator), Ehrenreich August Friedrich Schultz (Bruder der Braut), Johann Friedrich Schultz. Auch Vater, Samuel Schröer, Probst und Superintendent in Clöden gratulierte in einer Schrift (gedruckt von Johann Gottlieb Peterselln). Ebenso von D. George Friedrich Schröer (Ss. Theol. Prof. Publ. & Alumn. Reg. Ephor.), D. Augustus Müller (Probst und Superintendent zu Kemberg), D. Johann Friedrich Henckel (Stadt-Land-und Berg Physicus in Freyberg). Wie auch George Heinrich Henckel, D. (Königl. und Chur-Fürstl. Hof-Medicus und Physicus). Interessant zu lesen sind auch die Worte in „Wie viel Cupido in der Jungfer-Casse profitiret, als sie das Schröer – und Schultzische Hochzeit-Fest begehn, (In Torgau den 07. Juli 1722) Da ward glückwünschend und im Schertz gefragt und ventiliret, Von dem, der gerne möcht auch in der Jungfer-Casse stehn“.

 

Die dritte Ehe schloss er mit Sophia Elisabeth Manitius, Patin Klitzschen 05.06.1747 (lt. Pfarrbuch Sachsen).

 

Er hatte 10 Kinder. Davon 4 Söhne und 6 Töchter.

 

Sein Sohn Gottlob Samuel Schröer, geboren am 03.11.1710 in Meuro und am 14.11.1710 in Meuro verstorben.

 

Sein Sohn Wilhelm Schröer wurde am 26.11.1734 in Wildenhain geboren. Er starb am 01.05.1807 in Zinna. Von 1761 bis 1762 war er Sust. in Wildenhain und von 1762 bis 1807 Pfarrer in Zinna.

 

Jacob Samuel Schröer wurde am 18. August 1709 als Pastor nach Meuro im Kembergischer Diöces in Kursachsen berufen und blieb dort bis 1720. 

 

Warum er Meuro verließ, liest man in den „Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft zur Erforschung vaterländischer Sprache und Alterthümer“ (1874) auf Seite 116: … Eine Gelegenheit, diese Empfehlung zu berücksichtigen, bot sich, als zwischen der Frau v. Löser und dem Pastor M. Jacob Samuel Schröer zu Meuro ein Streit ausbrach, der eine Versetzung des Letzteren, welcher ein Schwager des Superintendenten Dr. Löser in Dresden war, allen Theilen erwünscht machte. Schröer kam nach Wildenhayn und dafür besetzte das Consistorium die gerade erledigte Lösersche Patronatstelle zu Rate mit unseren Küchler.“

 

Seine Abschiedspredigt in Meuro verfasste er in folgender Schrift:

„Der Ruhm eines unverletzten Gewissens, als der größte Gewinn abziehender Prediger;

Am dritten Advent-Sonntage Anno 1720, aus dem gewöhnlichen Evangelio Matth. XI. v. 2. – 10. zu Meuro, unter Kemberger Inspection, in einer Abschieds-Predigt vorgestellet.“

 

Seine Probepredigt in Wildenhain verfasste er in folgender Schrift:

„Der göttliche Ehren-Glanz aller Regenten und Obrigkeiten“

„Am 23sten Trinitatis Sonntage aus damahls verordneten Textes-Worten

I.Petr. II. v. 13. – 18. zu Wildenhayn bey Torgau den 3. Nov. Anno 1720, in der Probe-Predigt dargestellt.“

 

Am 20. Oktober 1722 hielt er und sein Vater die Leichenpredigt für seinen Schwiegervater M. Daniel Schultzens in Torgau in der Schrift „Letzte Liebes-Pflicht bey dem Grabe des Tit. Herrn Magister Daniel Schultzens, Archi-Diaconi in Torgau und dasigen Ministerii Senioris,… gedruckt bey Johann Gottlieb Petersellen in Torgau“.

 

In seiner Zeit in Wildenhain kam es auch dazu, dass er in der Kirche einen neuen Altar einweihen durfte. Diese Kirche wurde dann 1777 durch den Einsturz des Glockenturms zerstört. 1782 wurde die Kirche neu erbaut und erweitert.

 

Die Einweihungspredigt des Altars verfasste er in folgender Schrift:

„Von neuerbauten Altären; Weme sie zu wiedmen, wie sie eizuweihen, und was für Opfer dahin zu bringen sind. Bey Einweihung des zu Wildenhayn bey Torgau 1733 den 15. Februarii neuerrichteten Altares, aus dem ordentlichen Evangelio am Sonntag Esto mihi, Lucx 18 v. 31. – 42.“

 

In einem Telefongespräch und E-Mail mit Frau Monika Firla aus Stuttgart wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass am 24. März 1736 Anton Wilhelm Amo- der erste schwarze Philosoph in Deutschland in der damaligen Zeit in Wildenhain auf seinen Weg nach Halle weilte. Belegt ist dies durch einen Brief, welchen er in Wildenhain verfasste. Da Schröer ein bedeutender Philosoph und Zeitgeist der damaligen Zeit war, ist meinerseits anzunehmen, dass er sich damals im Hause Schröers aufhielt. 

In eine Dissertation (2019) „Anton Wilhelm Amos Philosophie und Rezeption: Von den Ursprüngen bis zur Enzyklopädie“ von Dwight Kenneth Lewis jr. an der Universität von Süd Florida wurde ebenso von diesem Brief berichtet. Er stellte zwar die Vermutung auf, dass der Brief wohl an Ludewig gegangen sein mag, denn „Vier Monate später erhielt Amo diese Empfehlung von Johann Heinrich Schulze [1687-1744], Dekan in Halle; …“ Lt. der Recherche von Frau Firla konnte dies aber nicht sein, denn v. Ludewig war Amos Präsens 1729 bei seiner Disputation in Halle. Amo und von Ludewig kannten sich also. In seinem Brief ersucht er aber „unbekannter Weise um Unterstützung“. Frau Firla geht davon aus, dass er in seiner Not zahlreiche Bittbriefe geschrieben hat. Sie meinte auch, dass Amo möglicherweise auch Verbindung zu Pfarrer Johann Gottlob Meiner in Audenhain hatte. Lt. Pfarrbuch der Kirchenprovinz Sachsen (Band 6) war Johann Gottlieb Meiner von 1720–1724 Mag. der Diac. Heilig Geist in Torgau und 1724–1765 Pfarrer in Audenhain. Er war der Vater von Johannes Theodosius Meiner und Amo war 1734 dessen Präses, so Frau Firla. Zeitlich könnte dies mit dem Brief stimmen.

 

Anton Wilhelm Amo wird im 18. Jahrhundert als Kleinkind in Ghana von Sklavenhändlern verschleppt, kommt über Umwege nach Deutschland und promoviert hier in Philosophie. Wahrscheinlich um 1700 wurde er in Ghana geboren. Er ging lt. Frau Firla 1747 nach Axim im heutigen Ghana zurück und war dort u.a. als Wahrsager und Weissager tätig. 

Er soll es aber nicht lange in seinem Geburtsdorf ausgehalten haben, da er kaum seine Heimatsprache kannte. Unterschlupf suchte er dann in einem holländischen Sklavenfort, wo ihn die Menschen immerhin verstehen konnten. Doch auch hier blieb er isoliert. Nur wenige Jahre später starb Anton Wilhelm Amo, der Doktor der Philosophie, der über die Rechte der Schwarzen disputiert hatte, vereinsamt in diesem Sklavenhändler-Fort an der Goldküste. Jedoch ist ein genauer Todestag fraglich. Besser ist, Anton Wilhelm Amo wurde um 1700 geboren und starb nach 1753 (oder in abgekürzter Fassung, um 1700 – gest. 1753). Genauere Informationen finden man in zahlreichen Veröffentlichungen im Netz oder besser in den Schriften von Frau Firla, welche sich seit dem Jahr 2000 mit Amo beschäftigte. 

Auch in der DDR wurde Amo 1961 wiederentdeckt und bearbeitet und an seinen Schaffensorten sind heute Gedenktafeln angebracht.

 

Aber nun wieder zu Schröer

 

Mit 75 Jahren erlebte er in Wildenhain sein 50. Amtsjahr als Pfarrer.

 

Dazu wurde seine Jubelpredigt in der

„Nova Acta Historico-Ecclesiastica. oder Sammlung zu den neuesten Kirchengeschichten. 25. Teil (mit königl. poln. und churfürstl. sächs. allergn. Privilegio., Weimar, bei Siegmund Heinrich Hoffmann, 1763.) auf Seite 1000 (Christliche Amtsjubelfeiern) steht geschrieben:

 

„… Zur Zeit betrübter Kriegsunruhe überlebte er 50 Amtsjahre im 75sten Jahr seines alters, und hielt seine Jubelpredigt am 2. September 1759 den 12. Sonntag nach Trinitatis über das Evangelium Mare. 7: 31 – 37. aus welchem er vorstellete: den HERRN JESUM als das allervollkommenste Vorbild eines rechtschaffenen und unsträtlichen Mitarbeiter Gottes; unter welchem Titel er sie zu Wittenberg auf 4 B. in 4t hat drucken lassen.“ 

 

In seiner Zeit in Wildenhain weihte er auch die heutige Kirche in Strelln ein. Zu lesen in der Schrift:

„Neuerbaute Kirchen, als Hochzeits-Häuser des triumphierenden Lammes auf Erden, wurde bey Einweyhung der von Grund aus neuerbauten Filial-Kirche, in Strelln, zum königl. Poln. und churfürstl. Sächs. Pfarr-Lehn in Doberschütz, unter Eilenburgischer Inspection gehörig, am 11. post. Epiphania, war der 15. Tag des Monats Januari 1747. bey volckreicher Versammlung fürgestellet, und denen Nachkommen zu wohgemeynter Nachricht dem Druck überlassen vom Autore M- Jacob Samuel Schröern, Pfarrern in Wildenhayn und Muckerehna. (Torgau druckts und verlegts Johann Gottlieb Petersell)“.

 

Margit Pflagner, Eisenstadt schrieb in einer Abhandlung:

„Therese Schröer – Eine Frau als Mittelpunkt literarischen Lebens in Preßburg“ (Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesarchiv)

„Die Familie Schröer war eine protestantische Pastorenfamilie, die, wie die Familientradition berichtet, zur Nachkommenschaft Martin Luthers gehörte. Ein Jacob Schröer, geboren 1625, war Pastor in Wildenhain, sein Sohn war unter dem Gelehrtennamen Georgius Fridericus Schröerus Professor der Theologie.“

 

Magister Jacob Samuel Schröer war von 1720 bis 1761 Pfarrer in Wildenhain mit dem Filial Mockrehna (Muckerehna) in der Torgischen Diöces. 

 

Am 06.06.1761 starb Jacob Samuel Schröer in Wildenhain und wurde vor dem Altar beigesetzt. Seine Gruft ist noch heute erhalten. Sie musste aber aus bauphysikalischen Gründen dicht verschlossen werden. Heute befindet sie sich nicht mehr vor dem Altar, sondern mitten in der südlichen Bankreihe. Wie bereits erwähnt, stürzte der alte Glockenturm ein und zerstörte auch das Kirchenschiff. In der Chronik ist hierzu eine kleine Anekdote vorhanden. Nach dem Einsturz wurde die Kirche neu aufgebaut und vergrößert. Zu sehen war dies bei der Kirchensanierung im Jahre 2011, als der Putz von der Kirche entfernt war. Nur ein größeres Fragment von der damaligen Grabplatte ist noch erhalten und steht heute neben dem Altar auf der Nordseite. 

 

Dank dem Internet sind zahlreiche Schriften heute digitalisiert, veröffentlicht und enthalten zahlreiche Informationen aus seinem Leben und Schaffen. Diese zu erwähnen, würde hier aber den Rahmen sprengen.

 

Robert Schübel

 

 

Quellen ohne Kennzeichnung:

 

·         Deutsche Digitale Bibliothek

·         Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen Anhalt (Digitalisierung von Drucken des
          18. Jahrhundert)

·         Pfarrbuch der Kirchenprovinz Sachsen (Band 8 – Biogramme Schr – To)

·         Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena (M. Jacob Samuel Schröers,
          Pastoris in Wildenhayn und Muckerehna bey Torgau, Gottgeheiligte Amts-Reden über 
          auserlesene wichtige Texte heiliger Schrift, Denen einige besondere Casualschriften 
          beygefüget sind. Gottgeheiligte Amts-Reden über auserlesene wichtige Texte heiliger 
          Schrift)